Damaszener Taschenmesser

Die Vielfalt an Damastmessern schließt Produkte ein, die zusammengefaltet und praktisch verstaut werden können. Wohlbehütet in einer Fuge des Heftes versteckt, befindet sich die Klinge an einem sicheren Ort, wenn das Messer nicht gebraucht wird. Nach dem Einklappen geht selbst von der scharfen Schneide eines Damaszener Taschenmessers keine Gefahr mehr aus. Die Bezeichnung entstand, weil das Werkzeug aufgrund seiner geringen Größe in der Hosentasche überall hin mitgenommen werden kann. Alternativ wird vom Klapp-, Schließ- oder Fixiermesser gesprochen. In Österreich ist der Begriff Feitel (von falten) üblich. Die Schweizer gebrauchen den Namen Sackmesser. Ein qualitativ hochwertiges Damast-Taschenmesser hält ein Leben lang.

Wer hat’s erfunden?

Nein, es waren nicht die Eidgenossen. Wenngleich Schweizer Taschenmesser weltweit bekannt sind und die Vermutung nahe liegt, dass die ursprüngliche Idee aus der Alpenrepublik stammt. Der älteste entdeckte Gebrauchsgegenstand, der sich mit dem Prinzip eines Klappmessers deckt, stammt von den Kelten. Die Konzeption war von einem modernen Damaszener Taschenmesser noch weit entfernt. Altertumsforscher datieren den Fund in die Zeit zwischen 600 und 500 v. Chr. Während der frühen Eisenzeit existierte oberhalb der österreichischen Marktgemeinde Hallstein im Salzkammergut eine keltische Siedlung. Archäologen legten 1000 Gräber mit Brand- und Körperbestattungen und eine zu dieser Epoche gehörende Eisenschmiede frei. Bei den Ausgrabungen kam u. a. ein „Schwenkerlmesser“ zutage. Dieses uralte Taschenmesser besaß keine Arretierung. Die Klinge war aus Eisen und der Haft aus Knochen. Bei den Römern gehörten faltbare Messer bereits zum Alltag. Später im Mittelalter wurden sogenannte „Bauernmesser“ mit einem Griff aus Holz versehen. Die damalige Schmiedekunst brachte auch Taschenmesser mit Damastklingen hervor, wobei Schweißverbundstahl bevorzugt bei Schwertern, Säbeln und Dolchen Verwendung fand.

Damaszener Stahl und seine Charakteristik

Messern mit Damastklingen eilt der Ruf voraus, dass sie ein Seidentuch in der Luft zerschneiden können. Nach vielen Stunden Arbeit entsteht tatsächlich ein Messer mit extrem hoher Schärfe. Insbesondere, wenn es sich um eine Klinge aus mehreren Hundert Lagen Stahl handelt. Meisterstücke, die unter dem Einfluss von Feuer und Kraft entstehen, kosten Geld. Doch der Handel bietet auch preiswertere Alternativen aus industrieller Fertigung an. Andererseits wissen die Fans exquisiter Stücke die persönliche Note einer von Hand geschmiedeten Damaszener Klinge sehr zu schätzen. Durch Beimengungen, wie Kohlenstoff, Nickel, Mangan, verändern sich die Eigenschaften des Stahls. Grundsätzlich bestehen Klingen für Damasttaschenmesser aus mindestens zwei Sorten Stahl mit unterschiedlicher Legierung:

  • Sehr harter Stahl, der als Klinge in geschliffenem Zustand lange seine Schärfe behält, jedoch keine Flexibilität aufweist und deshalb schnell bricht.
  • Weicher Stahl, der nicht bricht, aber schnell stumpf wird und sich verbiegt.

Die Mischung macht’s. Werden beide Stahlarten, oder noch weitere, miteinander verbunden, entsteht ein Stahl, der höchsten Ansprüchen genügt. Die Anfertigung vollzieht sich mit übereinandergelegten Schichten. Auf Rotglut gebracht und unter gezielten Hammerschlägen in die Länge gezogen, verdünnt sich das Bündel. Im Anschluss daran auf einer Seite eingekerbt und zusammengefaltet, folgt der nächste Schmiedevorgang. Je nachdem, wie viele Lagen letztendlich gewünscht sind, wird diese Prozedur wiederholt. Das Taschenmesser Damast fasziniert nicht nur wegen seiner hervorragenden Stahleigenschaften. Durch die Lagen entstehen wunderschöne Maserungen auf der Klinge, die jedes Damasttaschenmesser zu einem eindrucksvollen Kunstwerk machen.

Vor- und Nachteile eines Taschenmessers

Der positive Aspekt eines Schließmessers liegt im handlichen Gebrauch. Als idealer Helfer für viele Gelegenheiten ist ein Taschenmesser sofort einsatzfähig. Die Vorrichtung zum Einklappen birgt aber auch Nachteile. Heft und Klinge sind mit einem Gelenk verknüpft und genau dort existiert eine geringere Stabilität als bei einem feststehenden Messer. Sehr starker Druck geht womöglich mit dem Wackeln der Klinge einher. Im Extremfall kann der Arretiermechanismus versagen, was Verletzungen zur Folge haben kann. Für hohe Belastungen empfiehlt sich beim Kauf auf gute Qualität des Damaszener Taschenmessers zu achten. Ergonomisch geformte und nicht rutschende Griffschalen sorgen zudem für einen festen Halt.

Damast-Taschenmesser-Typen

Die Einteilung der Messerarten zum Einklappen richtet sich nach Handhabung und Ausstattungsmerkmalen:

Zweihand-Taschenmesser

Das Hervorholen der Klinge erfordert bei diesen Modellen beide Hände. Meist besitzt die Klinge einen Daumennagelschlitz am Rücken, an dem die eine Hand das Messer herauszieht, während die andere Hand den Griff festhält.

Einhand-Taschenmesser

Diese Kategorie umfasst Messer mit federunterstützter Klingenöffnung und einer maximal erlaubten Klingenlänge von 8,5 cm. Mit Hilfe eines Pins, Hebels oder einer Bohrung tritt die Klinge seitlich aus dem Griff. Beim Öffnen vollzieht sich ein Mechanismus, der die Klinge fest arretiert. Nicht zu verwechseln mit Springmessern, die im Waffengesetz Berücksichtigung finden.

Multitools

Mit minimalistisch angefertigtem Equipment versehen, verwandelt sich ein Taschenmesser in ein Multifunktionswerkzeug. Etwaige Bestückung sogenannter Universal-Taschenmesser, wobei der Umfang von Modell zu Modell variiert: Klinge, Schere, Säge, Feile, Ahle, Schraubenzieher, Flaschenöffner, Zange, Korkenzieher und mehr. Damaszener Taschenmesser werden in aller Regel nicht in Multitool-Version angeboten.

Klassifikation nach Einsatzzweck

In Standardausführung deckt ein Allround-Taschenmesser eine große Palette verschiedener Verwendungsmöglichkeiten ab. Für die individualisierte Nutzung bedarf es jedoch funktionelle Besonderheiten. In diesen Fällen orientiert sich die Ausführung nicht nur am Klingenstahl, denn Damast eignet sich wegen seiner Strapazierfähigkeit für vielerlei Anforderungen. Weitaus wichtiger für den maßgeschneiderten Einsatz sind Form und Querschnitt der Klinge. Gelegentlich spielt auch das Griffmaterial eine Rolle, nicht nur aus ästhetischen Gründen.

Spezial-Damast-Taschenmesser für Outdoor-Aktivitäten:

  • Anglermesser
  • Jagdmesser
  • Survivalmesser
  • Pilzmesser
  • Gärtnermesser
  • Reitermesser
  • Bootsmesser
  • Rettungsmesser

Verriegelungsmechanismen für Taschenmesser Damast

Moderne Taschenmesser sind arretierbar, das heißt, sie besitzen eine Vorrichtung, die ein versehentliches Schließen blockiert. Das Schwenkerlmesser hat einen Erl (rückwärtiger Klingenfortsatz), der mit dem Daumen gegen oder in den Griff gedrückt werden muss, um das Messer offen zu halten. Über das gleiche Prinzip verfügen einfache Klappmesser, die durch die Reibung geschlossen bleiben.

Gängige Damast-Taschenmesser-Arretiersysteme:

  • Back-Lock oder Lock-Back (Wippenverriegelung)
  • Lever-Lock (Rückenfederverriegelung)
  • Frame-Lock (Griffschalenverriegelung)
  • Liner-Lock (Seitenfederverriegelung)
  • Axis-Lock (Bolzenverriegelung)

Materialien für die Griffe

Zu einer ansprechend gemusterten Damaszener Klinge gehört ein ebenso attraktives Heftstück. Optimal aufeinander abgestimmt, ergibt die Materialkombination ein optisches Highlight.

Typische Werkstoffe für Damast-Taschenmesser-Griffe:

  • Metalle: Edelstahl, Neusilber, Titan, Messing, Aluminium
  • Kunststoffe: z. B. Nylon, ABS, Cellidor
  • Verbundmaterialien: Vulkanfiber (auf Zellstoff-Basis), Glasfaserverstärkter Kunststoff, Micarta
  • Hölzer: Kastanie, Mooreiche, Wüsteneisenholz, Pakkawood und andere
  • Tierischer Ursprung: Horn (Hirsch, Widder, Büffel, Rentier), Perlmutt, Knochen, Elfenbein, Abalone (Weichtierschalen)

Bekannte Hersteller und Marken

Nachfolgend einige namhafte Firmen, die Taschenmesser mit Damaszener Klinge anfertigen oder vertreiben:

  • Heinrich Böker Baumwerk GmbH Solingen
  • Haller Stahlwarenhaus GmbH, Michelbach/Bilz
  • Semptec Urban Damast Taschenmesser
  • Herbertz GmbH, Solingen
  • Hartkopf Solingen Taschenmesser Damast
  • Puma Messer
  • Laguiole en Aubrac (französicher Luxusmesserhersteller)

Rechtliche Hinweise zu Taschenmessern

Weil Messer Verletzungen zuführen und töten können, fallen sie unter bestimmten Voraussetzungen und je nach Grad der Gefahr unter das Waffengesetz. Alle Messer, auch die feststehenden, mit einer Klingenlänge über 12 cm dürfen nicht öffentlich geführt werden.

Diese Faltmesser sind verbotene Gegenstände:

  • Spring- bzw. Schnappmesser mit auf Knopf- oder Federdruck nach vorne herausschnellender Klinge.
  • Butterflymesser mit zwei um 180° schwenkbare Griffhälften.
  • Fallmesser: Durch die Schwerkraft, die während einer Schleuderbewegung entsteht, springt die Klinge aus dem Griff und verriegelt sich.

Für Privatpersonen ist das Führen verbotener Faltmesser untersagt und kann bei Zuwiderhandlung als illegaler Waffenbesitz und als Straftat bewertet werden. Nach §§ 51 und 52 (WaffG) drohen Geld- oder Freiheitsstrafen.

Fazit:

Liebhaberei für ausgefallene Schneidegeräte und Begeisterung für Outdoor-Freizeitaktivitäten: Ein Damaszener Taschenmesser vereint beide Leidenschaften gekonnt miteinander. Das praktische Werkzeug lässt sich einfach und sicher transportieren und kann unterwegs jederzeit auf die Schnelle benutzt werden.